Goldenes Rad im schwarzen Schild

Aus der Geschichte des Geschlechtes von Syberg


 

Teil VI: Die Freiherren von Syberg zu Schwerte, Hees und Sümmern

Federzeichnung von Ernst Montenbruck Die Linie der Freiherren von Syberg zu Schwerte, Hees und Sümmern nimmt ihren Anfang mit Berthold I. von Syberg aus dem Hause Wischlingen. Er war der dritte Sohn von Jürgen I. von Syberg und der Anna von Plettenberg, der Teilerbin des Hauses Wischlingen (siehe Teil III). Sein ältester Bruder Wolter setzte die Linie der Syberg zu Wischlingen fort. Der andere Bruder Jürgen dagegen begründete die Linie der von Syberg zu Voerde (siehe Teil IV und V). Berthold I. ging 1562 nach Livland und wurde Herr zu Schloßberg und Beffern, sowie anderer Güter. Doch kehrte er einige Jahre später wieder nach Westfalen zurück und trat als Stallmeister in die Dienste des Bischofs von Münster.

Am 2. Juli 1572 heiratete Berthold I. von Syberg Anna von Lipperheide zu Schörlingen. Trotz seiner reichen livländischen Besitzungen wollte sich Berthold I. in der Grafschaft Mark einen Wohnsitz schaffen, von wo aus er seine Güter, die ihm als väterliches Erbteil zugefallen waren, verwalten konnte. Zu diesem Zweck kaufte Berthold I. am 21. Mai 1573 von Stephan Lappe zu Schwerte (vermutlich aus einem illegitimen Zweig der Herren von Lappe zu Ruhr in Hengsen) "das Haus zu Schwerte mit drei Feuerstätten", sprich drei zugehörigen Wohnhäusern, im 3. Schicht, wie ein Brief von Bertholds Sohn Philipp von Syberg vom 30. September 1628 vermeldet. Dieses Haus, von Diedrich von Steinen als "Burghaus" bezeichnet, und das später nach Berthold I. und seinen Nachkommen den Namen "Sybergs Haus" erhielt, ist der sogenannte "Weidenhof" in Schwerte, heute als "Wuckenhof" bekannt.

Der Name "Weidenhof" dürfte mit einiger Sicherheit von "Wiedem- oder Wedemhof" abgeleitet worden sein. Mit "Wiedeme, Wedeme oder Widdum" etc. bezeichnete man einerseits ein zur Leibzucht gestelltes Witwengut, andererseits aber auch das Wirtschaftsgut einer Pfarrei - den Pastoratshof. Für letztere Lesart des Namens spricht die Tatsache, daß der Wuckenhof einst vollständig von Kirchenbesitz umgeben war.

Möglicherweise umfaßte der Weidenhof ursprünglich auch das Areal der heutigen evangelischen Diakonie. So besitzt die Diakonie neben der Zufahrt von der Kötterbachstraße eine heute vermauerte Tordurchfahrt zum Wuckenhof. Es deutet hier einiges auf die Teilung eines größeren ummauerten Komplexes hin. Ob wir uns den Weidenhof ursprünglich als einen befestigten Burghof vorstellen können, kann nur der Spaten der Archäologen klären.

Von der Hofanlage des Weiden- oder Wuckenhofes ist heute nur noch das herrschaftliche Wohnhaus erhalten. Dieser zweigeschossige Fachwerkbau mit Krüppelwalmdach stammt aus dem ersten Viertel des 19. Jhdts. und wurde vermutlich von dem Schwerter Bürgermeister Wilhelm Wucke errichtet, nach dem der Hof später benannt wurde, und der das Anwesen 1809 von dem Freiherrn Nikolaus Günter von Syberg erwarb.

Der Wuckenhof. Rekonstruktionsversuch des Verfassers, 1993. An der Stelle des heutigen Hauses dürfte zuvor das Syberg'sche Wohnhaus gestanden haben.

Zu Zeiten der Sybergs diente der Weidenhof diesen nur als Wohnsitz. Die zugehörigen Ländereien wurden nicht selbst bewirtschaftet, sondern vermutlich in Pacht ausgetan. Dies bestätigt ein Notariatsinstrument des Detmar Mülher von 1629, in dem Philipp von Syberg bestätigt, daß er "in Schwerte nur eine Wohnung, aber keine Nahrung habe".

Aus der Ehe Berthold I. und Frau Anna gingen sieben Kinder hervor. Es waren dies die Söhne Berthold II. (* 1573 zu Dortmund), Philipp (* 1574 zu Schwerte), Caspar (* 1577) und Hermann (* 1579 zu Schloßberg/Livland), sowie die Töchter Anna (* 1575 in Livland) und Margret (* 1580). Der Name der dritten Tochter ist unbekannt.

Kurz nach der Geburt Philipps übersiedelte die Familie wieder für einige Zeit auf ihre Güter nach Livland, den Hof zu Schwerte und ihre märkischen Güter in der Obhut eines Verwalters zurücklassend. Doch oftmals weilten die Syberger wieder in der Heimat.

Berthold I. von Syberg starb vor 1624 in Livland und wurde dort bestattet. Seine Witwe überlebte ihn noch um einige Jahre und verstarb um 1630 auch in Livland, wo sie neben ihrem Gatten die letzte Ruhe fand.

Das Erbe in Livland hatten, vermutlich schon zu Lebzeiten der Eltern, die Söhne Berthold II. und Hermann übernommen. Der Hof zu Schwerte nebst dem westfälischen Erbe gelangte an den Sohn Philipp, der von Livland nach Schwerte zurückkehrte und auf dem Weidenhof seinen Wohnsitz nahm.

Wappen der Grafen von der Broel-Plater genannt von Syberg zu Wischlingen. Über den Umfang der Besitzungen der von Sybergs zu Schwerte ist nicht viel bekannt. Er muß jedoch erheblich gewesen sein. Außerdem besaßen sie Höfe in Hengstey, Bathey und Böhle von Johann v. d. Recke zu Drensteinfurt zu Lehen. Ferner den Fischerhof zu Bathey, den Tiemanns- und Küpperskotten zu Fley, den Höinghof zu Hagen, den Hof zu Garenfeld nebst zwei Kotten, als auch den Garenfelder Lennhof, mit einem Anteil von 80 Scharrechten an der Garenfelder Mark. Insgesamt besaßen sie mit 110 Scharrechten den größten Einzelanteil an der Garenfelder Mark. Danach durften sie in guten Jahren bis zu 55 Schweine zur Eichelmast in die Mark treiben oder treiben lassen.

Im Jahre 1621 kam Hermann von Syberg während einer Belagerung der Burg Schloßberg zu Tode. Da er kinderlos gestorben war, übernahm Berthold II. den Besitz des Bruders. Die Ansprüche Philipps an Hermanns Erbe wurden von Berthold mit "ansehnlichen Geldsummen" abgegolten, die Philipp höchstpersönlich aus Livland holte, wie Diedrich von Steinen berichtet. Dieses für Schwerter Verhältnisse wohl ungeheure Barvermögen des Sybergers heizte vermutlich die Schwerter Gerüchteküche an und ist höchstwahrscheinlich Grund zur Sagenbildung "Von der Weißen Frau und dem Schatz im Weidenhof" gewesen.

Anscheinend hatte Philipp von Syberg sein Kapital gut investiert und kaufte Haus um Haus, nebst den zugehörigen Äckern und Wiesen innerhalb des 3. Schichtes von Schwerte. Von den 38 Hausstätten des 3. Schichtes nannte er 1626 immerhin 19 sein Eigen.

Durch den Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) brachen für Schwerte schwere Zeiten an. Durch Kriegskontributionen, Einquartierungen und Seuchen wurde der Wohlstand der einst reichen Hansestadt nach und nach vernichtet. In dieser Situation weckte natürlich der Wohlstand des Sybergers Neid und Mißgunst, zumal Philipp von Syberg der Auffassung war, daß er aufgrund seiner adligen Herkunft von allen bürgerlichen Lasten und dem Zehnten auf alle seine Güter in- und außerhalb der Schwerter Feldmark befreit sei.

Bereits 1612 hatte ihn die Stadt mit Gewalt in den Zehnt genommen, da sie der Ansicht war, daß sein Haus ja kein immatrikuliertes und somit steuerfreies Rittergut sei. Nunmehr verlangte die Stadt Schwerte von Philipp von Syberg die Zahlung von 10 ½ Reichstalern für sein Haus und die übrigen 18 Häuser. Gegen diesen "Unfug des Schwerter Rates" legte Philipp am 8. Dezember 1626 bei dem Geheimen Rat zu Kleve Beschwerde ein. Bereits am 14. Dezember hielt der Schwerter Droste Gotthard Friedrich v. d. Mark zu Villigst das Antwortschreiben des Rates in Händen. Darin wurde der Stadt befohlen, die Forderungen gegen Syberg fallenzulassen, widrigenfalls drohte man der Stadt 100 Gulden Strafe an!

Doch damit war der Streit noch nicht vom Tisch, sondern es wurde weiterhin schmutzige Wäsche gewaschen. Üble Nachrede blühte.

Abermals forderte die Stadt von Syberg Geld - diesmal 11 ½ Reichstaler. Außerdem wurde Philipp von Syberg von der Stadt "aus Mißgunst", wie er am 30. September 1628 an den Klever Rat schrieb, mit kostspieligen Einquartierungen von Offizieren und Mannschaften überhäuft. Seine Beschwerden scheinen gefruchtet zu haben, denn 1629 wurde von Kleve zu seinen Gunsten entschieden. Im Jahr 1630 kehrte Philipp von einer Reise nach Livland zurück. Dies ist zugleich das letzte Lebenszeichen von ihm.

Das obere und untere Haus Hees im Zustand von 1791, nach einer Karte des Geometers Georg Weber. Rekonstruktion des Verfassers, 1996. Philipp von Syberg war mit Anna Elisabeth von Cloet zu Hennen verheiratet. Von den vier Kindern der Eheleute, Heinrich, Berthold III., Philipp Niclas und einer namentlich nicht bekannten Tochter, erbte Heinrich die Güter zu Schwerte und in der Mark.

An dieser Stelle ist kurz über Philipps Bruder Berthold II. v. Syberg in Livland zu berichten. Er war verheiratet mit Anna von Schwerin. Sein einzig überlebender Sohn und Erbe sämtlicher Güter in Livland, Johann Georg von Syberg zu Wischlingen, war verheiratet mit Sibylla Freiin von Lüdinghausen genannt Wulff.

Ihr Sohn und Erbe Gotthard Xaverius Freiherr von Syberg bekleidete das Amt eines Krayczky (?) von Livland und ehelichte Marianne von Berg-Carmel. Deren Sohn, der Freiherr Josaphat von Syberg (* 1684), Wojwode von Livland, und vermählt mit der Freiin Magdalene von Bönninghausen genannt Budberg, vermehrte die ererbten Güter in Kurland mit Lantzen und Kurzum, in Polnisch-Livland mit Lixna und Kirup, sowie in Litauen mit den Starosteien Oniksty, Bolniki, Rakaniszky, Zawaryszki und Talice.

Erbe aller Besitzungen wurde dessen Sohn Johann Thaddaeus (* 1739 # 1806). Aus seiner dritten Ehe mit Luise Freiin von Kleist überlebte ihn nur die Tochter Isabella Helena v. Syberg. Isabella ehelichte 1803 den Grafen Michael v. d. Broel-Plater aus der polnisch-livländischen Linie des Geschlechtes zu Nederitz. Isabella brachte ihrem Gemahl sämtliche Syberg'schen Besitzungen als Heiratsgut ein. Fürwahr ein ungeheures Erbe. Es handelte sich um ein in Polnisch-Livland, Kurland und Litauen gelegenes, von der Düna durchströmtes Gebiet von 35 Quadratmeilen, etwa 1935 km2 mit rund 15.000 Seelen!

Das obere Haus Hess, Federzeichnung von Friedhelm Busch, Wilnsdorf-Niederdielfen. Mit dem Wiederaufbau des Turmes wird im kommenden Herbst begonen. Der Ehevertrag wurde am 10. Juli 1803 von der Kaiserlich-russischen Regierung bestätigt, mit der Bewilligung für Graf Michael und seine Nachkommen, Wappen und Namen der von Syberg zu Wischlingen anzunehmen und zu führen und sich Grafen und Gräfinnen v. d. Broel-Plater genannt von Syberg zu Wischlingen, zu nennen und zu schreiben. Gleichzeitig erfolgte auch in Preußen und Österreich die Anerkennung des Grafenstandes der Familie.

Isabella Helena starb 1849. Wann ihr Gatte das Zeitliche segnete, ist mir nicht bekannt. Von den acht Kindern der Eheleute überlebten drei Söhne und vier Töchter die Eltern. Über ihre Schicksale bin ich gleichfalls nicht informiert. Anscheinend ist diese Linie der von Syberg gegen Ende des 19. Jhdts. erloschen, denn etwa um 1885 erhielt der angehende Kunstmaler Fritz Syberg in Dänemark (siehe Teil V) von einem Anwalt ein Schreiben, in dem er aufgefordert wurde, seine eventuellen Erbansprüche anzumelden. Fritz Syberg konnte darauf nicht reagieren. "Ich hatte nicht einmal das Geld, um das Briefporto zu bezahlen", soll er nach Aussage seines Sohnes Hans gesagt haben, wie mir Peter von Syberg berichtete.

Doch zurück zu Heinrich von Syberg zu Schwerte, der nach dem Tode des Vaters den Familienbesitz übernahm.

Durch die verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges war Schwerte im wirtschaftlichen Niedergang begriffen. Etwa um 1650 heiratete Heinrich von Syberg, nun schon ein reifer Mann, die Erbtochter Anna Margaretha Elisabeth Lucretia v. d. Hees, die Erbin des Oberen Hauses Hees im heutigen Kreuztal-Osthelden. Die Eheleute verlegten daher ihren Wohnsitz ins Obere Haus Hees im Fürstentum Siegen-Nassau. Die Güter an der Ruhr und in Schwerte unterstellte man dem Verwalter Hengstenberg.

Blick in die alte Schloßküche, heute Restaurant, von ´´Junkernhees´´. Das obere Haus Hees geht auf eine Teilung des ursprünglichen Samtbesitzes in das ältere Untere Haus und das jüngere Obere Haus von 1513 zurück. Zum Oberen Haus Hees, einem Gräftenhof der 1583 fertiggestellt wurde, gehörten die Erblehnhöfe Wurmbach, Mittelhees, Weiden, Berghaus, Solbach und Buchen, dazu Jagdgerechtigkeiten, Fischereien, Wälder und Hauberge.

Heinrich von Sybergs Gattin Anna starb 1674. Er selbst überlebte sie noch um 22 Jahre und starb 1696. Erbe des Besitzes zu Schwerte und in der Grafschaft Mark wurde sein ältester Sohn Georg Philipp von Syberg, auch Mitbesitzer des Oberen Hauses Hees. Seinen Wohnsitz nahm er auf dem Weidenhof zu Schwerte. Georg Philipps jüngster Bruder Wilhelm Philipp Diedrich, kurz Diedrich Wilhelm genannt, ließ ab 1696 das Schloßhaus Hees durch einen Fachwerkanbau großzügig erweitern, der 1698 vollendet wurde. So zeigt der prachtvolle Schaugiebel im Fachwerk seine Initialen "D" und "W", wobei das "W" eine mit 4 Perlen besetzte Krone bildet. Zwischen den Initialen des Bauherrn und dem großen Schriftzug "Syberg 1698" befindet sich das große fünfspeichige Syberger Rad.

Das Obere Haus Hees, heute "Junkernhees" genannt, gehört zu den bedeutendsten Baudenkmälern des Siegerlandes und ist in seinen Räumlichkeiten nahezu unverändert erhalten. Bemerkenswert ist die große Küche, mit ihrem Picksteinpflaster im Fischgrätenmuster, der große Kamin und die Empore des "Herrentisches" aus den Tagen der Syberger, die als Restaurant des "Schloßhotels Junkernhees" dient. Über der Küche befindet sich der Rittersaal, der heute für Empfänge, Ausstellungen und festliche Aktivitäten genutzt wird. Im Jahre 1971 erwarb das junge Gastronomenehepaar Evelyne und Falko Beer Haus Junkernhees, die es im Laufe der Jahre zu dem renommierten Schloßhotel ausbauten, das für seine gute Küche und gediegene Atmosphäre im Siegerland bekannt ist.

Als Georg Philipp von Syberg schon 1703 ohne legitime Erben starb, trat sein Bruder Diedrich Wilhelm auch das Erbe zu Schwerte an. Vermutlich hinterließ Georg Philipp aber einen illegitimen Sohn namens Johann Friedrich Syberg und zwei Töchter. Johann Friedrich Syberg, später Kämmerer der Stadt Schwerte, wurde in den 30er Jahren des 18. Jhdts. in verhängnisvolle Prozesse verwickelt und 1740 seines Amtes enthoben.

Diedrich Wilhelm von Syberg zu Schwerte und Hees war mit Josina Ida von Westrum zu Sümmern verheiratet, der Schwester des Gottfried Albert Adam von Westrum, Herr zu Sümmern (heute Iserlohn-Sümmern).

Als Diedrich Wilhelm von Syberg 1742 starb, trat sein einziger überlebender Sohn Heinrich Wilhelm Moritz Philipp Joseph von Syberg (* 1715 # 1782) sein Erbe an. Mit ihm korrespondierte auch Diedrich von Steinen, der schon oft zitierte Autor der vielbändigen "Westfälischen Geschichte".

Heinrich Wilhelm von Syberg, Herr zu Schwerte und Hees ehelichte 1743 Sophia Theodora von Korff zu Suithausen, die ihm nach zwei Töchtern 1754 den Sohn und Erben Nicolaus Günter schenkte.

Mittlerweile war im Hause Sümmern der Erbfall eingetreten. Burg und Herrschaft Sümmern brachte die Erbin Theresia Maria Elisabeth von Westrum an ihren Gatten Bernhard Adolf von Dücker zu Rödinghausen. Doch die beiden einzigen Söhne der Eheleute starben schon im Kindesalter.

Da Theresia Maria Elisabeth v. Westrum 1742, nach dem Tode ihres Gatten, mit dem Grafen Johann Ferdinand von Berlo, eine neue Ehe einging, der die Burg Sümmern abreißen ließ und durch einen barocken Schloßneubau ersetzte, drohte Haus Sümmern in fremde Hände zu kommen. Hiergegen erhob Heinrich Wilhelm von Syberg Einspruch, der durch seine Mutter, die Schwester der Theresia Maria (#1757), erbberechtigt war. An dem Schloßneubau hatte sich Graf von Berlo jedoch finanziell übernommen und geriet in Konkurs. Schließlich gelang es Heinrich Wilhelm v. Syberg, sich 1765 den Besitz des Schlosses und der Güter zu Sümmern auf dem Prozeßwege zu erstreiten. Ab 1765 lebte hier bis zu ihrem Tode (1776 ?) Heinrich Wilhelms Mutter Josina Ida von Westrum. Von 1776 bis 1800 residierte hier Nicolaus Günter von Syberg als Herr zu Sümmern.

Haus Sümmern. Rekonstruktionsversuch des Verfassers, 1995, nach dem Urkataster von 1829 und Beschreibungen, mit der Syberg´schen Rentei un Hof Kissing Unklar bleibt die Gestalt des Wilhelm Philipp Detmar v. Syberg zu Sümmern, der 1768 die Stadt Schwerte auf Zahlung von 421 Reichstaler verklagte, die er der Stadt im Siebenjährigen Krieg vorgeschossen hatte. Es kann sich aber keineswegs um einen Bruder des Nicolaus Günter handeln.

Im Jahre 1779 kauften Heinrich Wilhelm und Nicolaus Günter v. Syberg von den verarmten Erben der v. d. Hees, für 16600 Reichstaler, das Untere Haus Hees und vereinigten so den Gesamtbesitz wieder in ihrer Hand.

Als Heinrich Wilhelm von Syberg 1782 starb, übernahm sein Sohn den gesamten Familienbesitz.

Nicolaus Günter Freiherr von Syberg zu Schwerte, Hees und Sümmern, bis zum Ende des Alten Reiches, 1806, Kämmerer des Erzbischofs und Kurfürsten von Köln, wirklicher Geheimer Rat, Landstand des Herzogtums Westfalen und Ritterrath der Mittelrheinischen Reichsritterschaft, verkaufte am 20. März 1789 die beiden Häuser Hees nebst allen Gütern an den Prinzen Wilhelm V. von Nassau-Oranien für 63.000 Reichstaler.

Mit einem Teil des Geldes erwarb er das Rittergut Nasburg in der Wetterau.

Nicolaus Günter war dreimal verheiratet: In erster Ehe mit Catharina von Heiden, Freiin von Belderbusch (# 1798), in zweiter mit Therese Freiin von Wittenbach (# 1800) und in dritter Ehe mit Charlotte Freiin von Schütz zu Holzhausen. Aus erster Ehe stammte, neben zwei Töchtern, der Sohn Carl Freiherr von Syberg. Er wurde Großherzoglich hessischer Forstmeister und Herr von Nasburg. Aus seiner Ehe mit Adelheid Marquise du Chasteler entsproß nur die Tochter Mathilde (* 1819) welche 1836 mit Philipp Freiherr Heusslein von Eussenheim vermählt wurde.

Aus Nicolaus Günters zweiter Ehe stammte der Sohn Josef v. Syberg, herzoglich Nassauischer Hofmarschall. Er heiratete 1843 Isabella Freiin von Dungern. Aus Nicolaus Günters dritter Ehe ging neben einer Tochter der Sohn Alexander von Syberg hervor (* 1804); über dessen Schicksal ist mir jedoch nichts bekannt.

Zwischen 1800 und 1809 trennte sich Nicolaus Günter auch von seinen westfälischen Besitzungen. Bereits 1800 übersiedelte er nach Nasburg und verkaufte die Ländereien des Hauses Sümmern nach und nach stückweise. 1816 folgte auch das Schloß Sümmern, das allmählich in Verfall geriet und 1824 abgerissen wurde. 1829 errichteten die Käufer des Schlosses, die Familie Kissing, die auch das Wirtschaftsgut übernommen hatte, auf dem, von dem noch gefluteten Gräftenring umgebenen Schloßplatz, ein herrschaftliches Landhaus. 1971 wurde die trockengefallene Schloßgräfte verfüllt und 1973 das Landhaus abgebrochen. Auf dem ehemaligen Schloßgelände wurde der heutige "Burggarten-Park" angelegt.

Bis auf drei wappengeschmückte Portalsteine ist von Schloß Sümmern nichts mehr erhalten. Einzig die "Syberg'sche Rentei", ein klassizistischer Fachwerkbau, hat die Zeiten überdauert. Allerdings nicht in Sümmern, sondern im Freilichtmuseum in Hagen, wo sie als "Haus Sümmern" 1975 wieder aufgebaut wurde.

Das Syberg'sche Stammhaus zu Schwerte, den Weidenhof, erwarb im Jahre 1809, wie schon zuvor erwähnt, der Schwerter Bürgermeister Wilhelm Wucke. Damit endet eigentlich die westfälische Geschichte der Freiherren von Syberg zu Schwerte, Hees und Sümmern. Nachzutragen bleibt nur noch der Ausgang des Geschlechtes.

Das 1829, nach dem Abbruch des Schlosses Sümmern, errichtete Landhaus der Familie Kissing. Die Schloßgräfte war damals noch geflutet. Zusammen mit dem Sohn Josef übersiedelte Nicolaus Günter im Jahre 1819 von Nasburg nach Lenggries bei Bad Tölz in Bayern, wo er den Emmerichshof erwarb. Am 11. Juni 1819 wurde er in die Freiherrenklasse der Adelsmatrikel des Königreichs Bayern eingetragen. Als Nicolaus Günter von Syberg 1832 zu Lenggries starb, beerbte ihn sein Sohn Josef. Ihm folgte dessen einziger Sohn Paul (* 1848). Aus dessen erster Ehe mit einer Gräfin Messey de Bielle (*1850 # 1884) entstammten die Töchter Maria Isabella (* 1875 # 1960 in München) und Adelheid (* 1879 # 1958 in Heidelberg).

Adelheid war mit dem Freiherrn Friedrich von Lettow-Vorbeck verheiratet, soviel ich weiß, ein Bruder des Kaiserlichen Schutztruppengenerals Paul v. Lettow-Vorbeck, der völlig auf sich allein gestellt, sich von 1914 bis zum Waffenstillstand 1918 militärisch in Ostafrika behaupten konnte. Manch älteren Lesern dürfte dessen Buch "Haja Safari" noch bekannt sein.

Nach dem Tode seiner ersten Frau ehelichte Paul von Syberg die Baronin Marie von Kleiser, die ihm noch zwei Söhne, Paul und Karl, schenkte, die jedoch beide im Ersten Weltkrieg fielen.

Mit 71 Jahren ist Paul von Syberg am 16. Mai 1919 in Lenggries gestorben. Mit ihm ist das Haus der Freiherren von Syberg zu Schwerte, Hees und Sümmern erloschen. Den Emmerichshof hatte er zuvor testamentarisch der katholischen Kirche vermacht. Auf seinem Grund und Boden liegt heute der Kurpark von Lenggries, in dessen Namen "Sybergpark" die Erinnerung an dieses Geschlecht fortlebt.

Mit der nun vollendeten sechsteiligen Reihe zur Geschichte des Geschlechts von Syberg habe ich versucht, den Lesern einen Überblick über die größtenteils unbekannte Geschichte dieses Geschlechtes zu verschaffen, die sicherlich noch manche Lücken aufweist. Mancher wird zwar das Fehlen von notwendigen Fußnoten bedauern, doch mußte ich aus Platzgründen darauf verzichten. Geplant ist jedoch eine erweiterte Buchausgabe, in der diese Aufnahme finden werden.

Zwischenzeitlich sind mir einige Informationen zur Geschichte der nichtadligen Familien Syberg/Sieberg zugänglich geworden. Vielleicht wird es ja in absehbarer Zeit möglich sein, deren Herkunft von dem Adelsgeschlecht von Syberg beweiskräftig zu untermauern. Ich bitte daher alle Mitglieder der besagten hiesigen und auswärtigen Familien Syberg/Sieberg, mir ihr genealogisches Material (z.B. Stammtafelkopien etc.) zuzusenden.

(Reinhold Stirnberg)